Kalenderwoche 7 - Kunst braucht keinen Rahmen.

denn irgendwo, sind wir alle Künstler.

nichts beschäftigt mich im Moment so sehr, wie die Gestaltung. ich meine damit das Zeichnen, Malerei und all diese wundervollen Dinge, mit denen man etwas zu Papier bringen kann. ich stecke wieder in der Vorbereitungsphase für meine Unibewerbungen und irgendwie mache ich mir zur Zeit genaue Gedanken, was es mit der Gestaltung und mir eigentlich auf sich hat ...
ich weiß gar nicht, wann ich damit angefangen habe wirklich zu zeichnen. gemalt hat ja jeder irgendwann mal. jeder hat viele verschiedene Buntstifte gehabt, sich mit Filzstiften ausprobiert und sich dann geärgert, weil diese immer durch das Papier durch gedrückt haben. natürlich hat jeder die Sonne oben links oder rechts in die Ecke des Bildes gemalt und Wolken waren natürlich blau, obwohl diese ja in der Wirklichkeit weiß waren, aber der weiße Buntstift, den hat man ja nie auf dem Papier gesehen. 
meine Häuser hatten immer oben rechts einen Schornstein, ein spitzes Dach und ein rundes Dachfenster mit Sprossen, genau in der Mitte. die Tür war auch immer in der Mitte des Hauses, es gab vier Fenster und bunte Gardinen, manchmal auch einen bunten Briefkasten neben der Tür, aber auch nur, wenn da noch Platz war. 

man hat irgendwie immer einfach drauf los gemalt. immer die Dinge, die man sich vorgestellt hat und sich dann geärgert, dass das Pferd, welches da vor einem entstand, nicht so aussah, wie das im wahren Leben. wenn Mama dann aber gesagt hat, dass man das ganz wundervoll gemacht hat, war man doch irgendwie stolz - und hat ihr das kleine Kunstwerk geschenkt.
meine Mutter hat die meisten meiner Bilder aufgehängt, als ich klein war, so konnte jeder sehen, was ich alles gemacht habe. gebastelt, habe ich allerdings nie wirklich gerne. ich habe mich mit einem Stift oder Pinsel in der Hand immer sicherer gefühlt, irgendwie vertrauter. 

so kam es, ich weiß gar nicht mehr in welcher Klasse ich war, dass ich im Kunst Unterricht dafür irgendwie die Quittung bekam. ich war irgendwie immer gut in Kunst in der Schule, weil ich einfach gerne gemalt habe. natürlich gab es immer andere Kinder, die einem das nicht gegönnt haben. ich weiß es noch, als wäre es gestern, als wir die Aufgabe bekamen, eine gelbe Windmühle, mit rotem Dach und blauen Standbeinen zu malen bekamen. ich habe mir solche Mühe gegeben und zeigte, als mein Bild fertig war, es stolz meinen Freundinnen. diese verzogen das Gesicht und waren der festen Überzeugung, dass ich das nicht allein gemalt hatte, sondern Hilfe von der Lehrerin hatte. ich konnte das absolut nicht verstehen, denn ich hatte es ja wirklich selbst gemalt und war zutiefst traurig, dass man mir zutraute, ich habe quasi geschummelt. 

heute weiß ich, dass es vermutlich nur Neid war, doch damals fand ich es schrecklich.
die Jahre über habe ich vielleicht deshalb oft für mich selbst gezeichnet. Kunst hatte ich ab der achten Klasse nicht einmal mehr, also wurden meine Bilder sowieso nur noch in meinen eigenen vier Wänden gezeichnet. für mich war das okay, ich musste niemanden beweisen wie gut ich bin.
ich glaube, aus dieser Leidenschaft Dinge die mir im Kopf herum schwirren aufs Papier zu bringe, ist irgendwann der Traum entstanden, in den Design Bereich zu gehen. früher wollte ich immer Pferdewirtin werden. doch als ich in der achten Klasse und somit ca. 14 Jahre war, kam auf einmal der Punkt, an dem ich Modedesign studieren wollte. ich hatte über diesen Beruf etwas im Fernsehen gesehen und war sofort Feuer und Flamme. ab da ging das Informieren über meinen Berufswunsch los und immer wenn mich jemand fragte, was ich nach der Realschule machen möchte, sagte ich: Abitur. denn Modedesign musste man studieren und da ich mein Abitur sowieso machen wollte, passte es perfekt. ich wusste, ich hatte ein Ziel.
oft belächelt und des öfteren ausgelacht über diesen Traumberuf beschloss ich erst recht zu machen. ich konnte mir nie vorstellen, in irgend einem Büro oder hinter einer Kasse zu versauern. je älter ich wurde, desto klarer wurde mir, dass ich etwas Kreatives machen wollte, etwas mit Mode, entwerfen.

als das Ende meiner Realschulzeit näher rückte, stellte sich die Frage, wo ich mein Abitur machen wollte. eine Bekannte von mir besuchte eine Fachoberschule für Gestaltung und erzählte mir davon. man habe dort Fächer wie Malerei, Fotografie, Zeichnen usw., sagte sie ... das war Musik in meinen Ohren. dort konnte ich mich noch mehr verbessern, was meine Arbeiten anging und vor allem würde mir dort niemand mehr unterstellen, ich habe nicht selbst gezeichnet. ich konnte mich beweisen, denn inzwischen wollte ich das.
also bewarb ich mich um einen Schulplatz, richtig mit Mappe mit 15 Zeichnungen und einer Aufnahmeprüfung. ich war wahnsinnig aufgeregt und als ich mit den anderen Bewerbern in einem Raum saß und sah, was sie konnten, kam ich mir ganz klein war. es war eine so ungewohnte Situation für mich, dass alles um mich herum so gut waren, dass ich wirklich eingeschüchtert war.
dennoch schaffte ich es. ich glaube, als ich den Brief mit meiner Zusage bekam, war ich der glücklichste Mensch auf Erden.

die zwei Jahre waren hart. sehr hart. doch ich habe viel gelernt. ich was mein Können angeht wahnsinnig weiter entwickelt und zum Zeichnen dazu noch die Fotografie für mich entdeckt.
ich habe die Malerei lieben gelernt, insgesamt gemerkt, dass Gestaltung für mich wirklich ein wichtiger Teil meines Lebens ist. über die zwei Jahre hinweg hat sich auch mein Wunsch nicht geändert, dass ich Modedesign studieren möchte. ab und an kamen Ideen hinzu, was man als Alternative machen könnte, wenn alle Stricke reißen, aber der Traum sitzt fest im Kopf.

auch haben mich vor allem die letzten beiden Jahre gelehrt, dass Kunst, Gestaltung und alles was damit zusammen hängt nicht in einen Rahmen passt. jeder kann etwas wundervolles vollbringen. nur weil man kein perfektes Portrait zeichnen kann, ist man nicht untalentiert. Kunst äußert sich auf so viele verschiedene Weisen und ist immer wunderschön. zwar nicht für jeden, aber der Betrachter allein entscheidet, das er gut findet und sonst niemand anders.
man selbst hat in der Hand, was man aus sich und seinen Ideen macht und selbst wenn die Leute sagen, man sei nicht gut genug, liegt es an einem selbst und nicht an den Stimmen.

die Gestaltung war auf meinem bisherigen Weg immer ein wichtiger Teil von mir. so wichtig, dass ich ihn zu meinem Beruf machen möchte. man sollte das tun, was einen auch wirklich glücklich macht. mich macht kreatives arbeiten glücklich ... ich weiß nicht genau, wie das alles angefangen hat, aber ich weiß, wie es mich geformt hat und darüber bin ich glücklich.
die Kunst, oder Gestaltung ist schon lange nichts mehr, womit ich mich beweisen muss. ich weiß, was ich kann und was nicht. ich habe eher einen Weg gefunden, mich auszudrücken ... mich zu zeigen.


Kommentare:

  1. ich bin ebenfalls so eine hobbykünstlerin...wobei ich mir eben sicher bin es gibt keine schlecht kunst, oder kein nicht vorhandenes talent...jeder macht es doch auf seine eigene Art besonders;) Kunst ist und bleibt eben Ansichtssache;)
    kunterbunte Küsschen
    Limi
    Hier gehts zu meinem Blog:BUNTGEFLÜSTER--Über neue Leser würde ich mich supermegaextradoll freuen :DDD

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  2. Wow eine tolle Geschichte. Ich finde es interessant deinen Weg zu sehen und was du alles wie erreicht hast. Es ist beeindruckend, dass du deinen Traum verwirklicht hast. Außerdem gefallen mir die Bildausschnitte sehr! Du solltest öfters deine "Werke" posten :)

    Ich überlege mir auch in Richtung Kunst (aber eher Lehramt oder sowas) zu gehen, aber ich bin mir etwas unsicher, da es eben doch so viele bessere Künstler gibt. Außerdem muss ich noch meine Mappe anfertigen. Hast du irgendwelche Tipps?

    Würde mich über eine Antwort freuen. Alles Liebe <3

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  3. wow! tolle Worte..
    mir geht es genauso mit dem fotografieren..
    ich hab Kunst Leistungskurs, zeichnen ist jedoch leider nicht meien stärke und ich würde es so gerne besser können.
    ich wünsche dir ganz viel Glück für die Zukunft denn ich weiß wie hart es ist, an etwas festzuhalten. so ist das mit den Künstlern ;)

    und ich bedanke mich für deinen wundervollen Kommentar! ♥
    ich werde deinen blog im Auge behalten ;)

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